Alltäglichkeit und Medialität in Japan. Ein Workshop zur interkulturellen Philosophie

Organisiert von College of Fellows - Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies/Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie/Fernando Wirtz (Thyssen Stiftung)

10.-11. Februar 2022

Keynote Speakers: Yoko Arisaka, Fabian Schäfer

 

Traditionell sind die Philosophen die Subjekte der Philosophie. Sie sind diejenigen, die philosophische Theorien formulieren. Es hat jedoch viele Versuche gegeben, mit dieser Idee zu brechen und andere mögliche Subjekte der Philosophie in Betracht zu ziehen. Können „normale Menschen“ Philosophie betreiben? Oder können „normale Menschen“ Wissen produzieren? Gibt es eine Philosophie der Massen? Wenn ja, wie wird sie ausgedrückt? Wie nutzt sie Technik und Medien?

 

Ziel dieses Workshops ist es, die Begriffe „Gemeinsinn“, „Alltäglichkeit“ und „Medien“ (bzw. Mittel) interkulturell zu hinterfragen. Zu diesem Zweck werden die Texte von Miki Kiyoshi, Tosaka Jun, Nakai Masakazu und Nakamura Yūjirō verwendet. Diese Autoren haben nicht versucht, den gesunden Menschenverstand des Status quo zu rehabilitieren, sondern im Gegenteil, den Gemeinsinn der Massen zu denken. Zu diesem Zweck konzentrierten sie sich auf die Massenmedien: die Zeitung und den Film. Diese in Japan entstandene Medienphilosophie kann nützlich sein, um eine Reihe von Fragen von aktueller Relevanz zu beantworten: Wie ist es möglich, eine interkulturelle Medienphilosophie zu denken? Inwieweit kann das Alltägliche revolutionär sein? Welche Rolle spielen Medien und Maschinen in der aktuellen philosophischen Debatte?

 

Seit den 1930er-Jahren gab es in Japan einige Autoren, die versuchten, die philosophische Kraft des Gemeinsinnes zu retten. Wie Gramsci mit seinem buon senso oder Lefevre mit seinem Begriff der quotidiennté versuchten diese japanischen Philosophen, Formen der Erkenntnis der Wirklichkeit „von unten“ zu erforschen.

Miki Kiyoshi postulierte eine Grunderfahrung (kisokeiken), nämlich die körperliche Erfahrung des In-der-Welt-Seins. Für Miki war diese Erfahrung historisch und manifestierte sich in der Praxis und in der Erfahrung des Proletariats.

Für Tosaka Jun, einen Kollegen von Miki an der Universität Kyoto, war das Prinzip der historischen Zeit weder in der subjektiven Zeit der Phänomenologie noch in der objektiven, rationalisierten Zeit der Wissenschaft zu suchen. Das Prinzip der historischen Zeit sei vielmehr in dem zu finden, was er „Alltäglichkeit“ (nichijōsei) nannte. Diese Alltäglichkeit war die situierte Zeitlichkeit des Arbeiters, die sich nach den Bedürfnissen seines Arbeitstages richtete.

Miki und Tosaka beschränkten sich jedoch nicht darauf, über diese Begriffe abstrakt nachzudenken. Sie suchten nach anderen Wegen, Philosophie im Einklang mit ihren Theorien zu betreiben. Auf diese Weise haben sie beide Journalismus betrieben. Tosaka wiederum theoretisiert ebenfalls über die Bedeutung des Films.

Ein anderer Autor jener Zeit, Nakai Masakazu, war ebenfalls ein sehr wichtiger Filmtheoretiker. Für ihn bot der Film ein Mittel, durch das die Massen ihre Gefühle ausdrücken konnten. Die Erfahrung der Maschine war für ihn das „Mittel“ (mitteru), das dies ermöglichte, denn während eines Films sind es die Zuschauer, die die aktive Aufgabe haben, die Szenen und Schnitte in ihrem Kopf zu vereinen.

Abschließend sei noch der Fall von Nakamura Yūjirō zu erwähnen. Obwohl Nakamura hauptsächlich in der Nachkriegszeit schrieb, wurde er stark von Miki, Tosaka und Nakai beeinflusst. Im Gegensatz zu Miki und Tosaka kehrt Nakamura zum aristotelischen Sinn des gesunden Menschenverstands als koinē aisthēsis zurück. Der gesunde Menschenverstand in seiner idealen Funktion ist für Nakamura das, was das Gesamtbild in den Blick nimmt und spontan auf die sich ständig verändernden Anforderungen der realen Welt und ihrer konkreten Situationen antwortet.

 

Während des Workshops wird eine Auswahl von Texten dieser Autoren gemeinsam diskutiert und kommentiert. Die Diskussion beginnt mit einem Impuls von einem der Teilnehmenden. Am Ende eines jeden Tages gibt es außerdem einen speziellen Vortrag.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

 

 

Diejenigen, die an einer Teilnahme interessiert sind, sollten eine kurze Motivationsschrift schicken. Bitte geben Sie auch die folgenden Informationen an:

 

Vollständiger Name:

Institution:

Status/Stelle:

E-Mail:

Erläutern Sie kurz Ihr Interesse an dem Workshop:

Autor des Programms, an dem Sie interessiert sind:

 

 

Anmeldeschluss: 31.12.2021

Die Teilnahme ist kostenlos.

Veranstaltungsort: Tübingen

E-Mail: events(at)int-gip.de

 

Zeitplan (provisorisch)

 

Tag 1:

9:15-10:00 Einleitung. Zur Biographie der Autoren.
10:15-11:00 Miki
11:15-12:00 Miki
12:00-14:00 Mittagspause
14:00-15:00 Tosaka
15:15-16:00 Tosaka
16:15-17:00 Diskussion
17:00-18:30 Vortrag 1

 

19:00 Abendessen



Tag 2:

9:15-10:00 Nakai
10:15-11:00 Nakai
11:15-12:00 Nakamura
12:00-14:00 Mittagspause
14:00-15:00 Nakamura
15:15-16:00 Diskussion
16:15-17:00 Diskussion
17:00-18:30 Vortrag 2